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Den Lesegottesdienst für den 5. Sonntag nach Trinitatis finden Sie, wenn Sie weiter nach unten scrollen.

Die aktualisierten Lesegottesdienste pausieren während der bayerischen Sommerferien bis Mitte September. Nach den Sommerferien werden wir die aktualisierten Lesegottesdienste und die Bildandachten für die Festtage anbieten (z.B. Erntedank, Ewigkeitssonntag, Advent und Weihnachten).

Lesegottesdienst für den 7. Sonntag nach Trinitatis
(26. Juli 2020)


Wochenspruch

So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen.    
Epheser 2,19


Der Gottesdienst

 

Eingangslied EG 420,1-5 Brich mit den Hungrigen dein Brot


Eingangswort:

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes
Der Herr sei mit uns.

So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen.
Wir sitzen am Tisch des Herrn. Gott macht uns zu Mitbürgern und Hausgenossen. Wir gehören dorthin – an Gottes Tisch, in sein Haus. An Gottes Tisch wird unser leiblicher und seelischer Hunger gestillt.
Als Mitbürger und Hausgenossen Gottes geben wir weiter, was wir empfangen haben: Brot und Gerechtigkeit, Liebe und Hoffnung.


Gebet

Lieber Vater, barmherziger Gott,
zu Mitbürgern und Hausgenossen machst du uns.
Du schenkst uns das tägliche Brot und gibst,
was wir zum Leben brauchen.
Gib uns offene Augen und Herzen,
einen wachen Verstand und hilfreiche Hände,
damit wir deine Liebe weitergeben in Wort und Tat.
Durch Jesus Christus, unseren Bruder, der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und regiert in Ewigkeit. Amen.


Lesung aus dem Alten Testament: 2.Mose 16,2-3.11-18 Speisung mit Wachteln und Manna

Und es murrte die ganze Gemeinde der Israeliten wider Mose und Aaron in der Wüste. Und die Israeliten sprachen: Wollte Gott, wir wären in Ägypten gestorben durch des HERRN Hand, als wir bei den Fleischtöpfen saßen und hatten Brot die Fülle zu essen. Denn ihr habt uns dazu herausgeführt in diese Wüste, dass ihr diese ganze Gemeinde an Hunger sterben lasst. Und der HERR sprach zu Mose: Ich habe das Murren der Israeliten gehört. Sage ihnen: Gegen Abend sollt ihr Fleisch zu essen haben und am Morgen von Brot satt werden und sollt innewerden, dass ich, der HERR, euer Gott bin.

Und am Abend kamen Wachteln herauf und bedeckten das Lager. Und am Morgen lag Tau rings um das Lager. Und als der Tau weg war, siehe, da lag's in der Wüste rund und klein wie Reif auf der Erde. Und als es die Israeliten sahen, sprachen sie untereinander: Man hu? Denn sie wussten nicht, was es war. Mose aber sprach zu ihnen: Es ist das Brot, das euch der HERR zu essen gegeben hat. Das ist's aber, was der HERR geboten hat: Ein jeder sammle, soviel er zum Essen braucht, einen Krug voll für jeden nach der Zahl der Leute in seinem Zelte.

Und die Israeliten taten's und sammelten, einer viel, der andere wenig. Aber als man's nachmaß, hatte der nicht darüber, der viel gesammelt hatte, und der nicht darunter, der wenig gesammelt hatte. Jeder hatte gesammelt, soviel er zum Essen brauchte.

 


Evangelium: Joh 6,1-15 Die Speisung der 5000

Danach ging Jesus weg ans andre Ufer des Galiläischen Meeres, das auch See von Tiberias heißt. Und es zog ihm viel Volk nach, weil sie die Zeichen sahen, die er an den Kranken tat. Jesus aber ging hinauf auf einen Berg und setzte sich dort mit seinen Jüngern. Es war aber kurz vor dem Passa, dem Fest der Juden.
Da hob Jesus seine Augen auf und sieht, dass viel Volk zu ihm kommt, und spricht zu Philippus: Wo kaufen wir Brot, damit diese zu essen haben? Das sagte er aber, um ihn zu prüfen; denn er wusste wohl, was er tun wollte. Philippus antwortete ihm: Für zweihundert Silbergroschen Brot ist nicht genug für sie, dass jeder auch nur ein wenig bekomme. Spricht zu ihm einer seiner Jünger, Andreas, der Bruder des Simon Petrus: Es ist ein Knabe hier, der hat fünf Gerstenbrote und zwei Fische. Aber was ist das für so viele? Jesus aber sprach: Lasst die Leute sich lagern. Es war aber viel Gras an dem Ort. Da lagerten sich etwa fünftausend Männer.
Jesus aber nahm die Brote, dankte und gab sie denen, die sich gelagert hatten; desgleichen auch von den Fischen, so viel sie wollten. Als sie aber satt waren, spricht er zu seinen Jüngern: Sammelt die übrigen Brocken, damit nichts umkommt. Da sammelten sie und füllten zwölf Körbe mit Brocken von den fünf Gerstenbroten, die denen übrig blieben, die gespeist worden waren.
Als nun die Menschen das Zeichen sahen, das Jesus tat, sprachen sie: Das ist wahrlich der Prophet, der in die Welt kommen soll. Da Jesus nun merkte, dass sie kommen würden und ihn ergreifen, um ihn zum König zu machen, entwich er wieder auf den Berg, er allein.


Evtl. Apostolisches Glaubensbekenntnis (EG Seite 1150)

Wochenlied EG 320,1-8Nun lasst uns Gott dem Herren


Predigtwort – Hebräer 13,1-3

Bleibt fest in der brüderlichen Liebe.
Gastfrei zu sein vergesst nicht; denn dadurch haben einige ohne ihr Wissen Engel beherbergt. Denkt an die Gefangenen, als wärt ihr Mitgefangene, und an die Misshandelten, weil auch ihr noch im Leibe lebt.


Predigt

Wir alle sehnen uns nach Liebe. Uns ist die Sehnsucht danach in die Wiege gelegt. Ohne Liebe gedeihen wir nicht; ohne sie erscheint vielen Menschen das Leben leer und traurig. – Es ist leicht, Menschen zu lieben, die uns ähnlich sind. Es ist erfüllend, Menschen zu lieben, die uns nahestehen. Und wie prickelnd ist es, Menschen zu lieben, die wir attraktiv finden! Und wunderbar, wenn diese Liebe erwidert wird.

So romantisch geht es in unserem Predigtwort nicht zu! Dort geht es nicht in erster Linie um das Geliebt-Werden. Gemeint ist auch nicht unsere Liebe zu uns nahe stehenden oder sympathischen Menschen. Was wir da hören, klingt eher nach Herausforderungen!

Die erste Herausforderung ist die brüderliche Liebe.

Die zweite Herausforderung ist, dass wir lieben sollen.

Zur ersten Herausforderung: Mit der brüderlichen Liebe ist die Liebe unter den Glaubensgeschwistern gemeint. Und diese gilt besonders den hilflosen, gefangenen und rechtlosen Menschen!

Das ist ein anspruchsvoller Auftrag: Menschen zu lieben, die uns nicht vertraut sind, und die am Rand der Gesellschaft stehen. Manche davon finden wir vielleicht abstoßend oder sie interessieren uns nicht. Manche Menschen passen so gar nicht in unsere Lebenswelt! – Wir müssen jetzt auch nicht aufstehen und jeden umarmen. Die geschwisterliche Liebe zeigt sich, indem wir aufmerksam sind, füreinander Verantwortung übernehmen, mitfühlend und fürsorglich miteinander umgehen. Das ist die erste Herausforderung! Menschen lieben, die uns nicht unbedingt nahestehen.

Die zweite Herausforderung ist, dass wir lieben sollen. So lesen wir:

Bleibt fest in der … Liebe! Gastfrei zu sein, vergesst nicht! ... Denkt an die Gefangenen!

Man hört und sieht förmlich die Ausrufezeichen hinter den Aufforderungen. Macht dies! Tut das! – Mögen wir so etwas hören? Es gibt doch schon genügend Anforderungen in unserem Leben und Gemeinde-Alltag. Und jetzt auch noch das! Fremde, Gefangene, Misshandelte sollen wir lieben.

Das ist die zweite Herausforderung! Die geschwisterliche Liebe ist uns aufgetragen – und wir werden dazu ermahnt.

Aber: Liebe kann man doch nicht erzwingen!? Wie kann das funktionieren?

Wer den Hebräerbrief als Ganzes liest, versteht, wie zur geschwisterlichen Liebe motiviert wird: Gutes tun Christen anderen nicht, weil sie Gegenliebe erwarten; Gutes tun sie nicht, weil sie sich unter Druck gesetzt sehen. Gutes tun sie aus der Orientierung an Jesus. Und aus Dankbarkeit für seine Liebe!

II.

Im Hebräerbrief wird dazu ein ganz besonderes Bild von Jesus gezeichnet:

Diese Bild zeigt ihn als Hohepriester. Das Bild stammt aus dem Alten Testament. Heute ist es uns eher fremd. Aber für die Empfänger des Hebräerbriefes war das ein tröstliches und ermutigendes Bild.

Der Hohepriester hatte ein Amt. Nur er durfte ins Allerheiligste des Tempels. Nur er konnte dort Gott Opfer darbringen. Einmal im Jahr wurden so die Sünden des Volkes gesühnt. So stellte er immer wieder aufs Neue für alle Gläubigen die Verbindung mit Gott her. Und genauso wie der Hohepriester im Tempel hat Jesus durch sein Leben und Sterben ein für alle Mal die unverbrüchliche Verbindung der Gläubigen mit Gott hergestellt.

Und der Autor unseres Briefes lädt die Leser dazu ein:

Schaut auf diesen Jesus. Er ist Euer Bruder. Er hat Euch Gott nah gebracht und tut es als himmlischer Hohepriester immer noch.

Holen wir uns dieses fremde Bild noch ein wenig mehr in unsere Nähe. Stellen Sie sich vor: Jesus ist hier in unserer Gemeinde, er ist hier bei uns. Ganz in Ihrer Nähe. Er lächelt uns an und breitet seine Arme aus. Wir spüren: Wir gehören zu ihm, wir gehören zu Gott. Wir gehören wie Geschwister zusammen, weil Gott uns allen nahe ist.

Diese Liebe ist so einladend, so überwältigend, so inspirierend, dass wir einfach nicht anders können als sie weiterzugeben.

Und so ist im Hebräerbrief die geschwisterliche Liebe gar keine Herausforderung, sondern sie geschieht aus Dankbarkeit. Wir Christen sind wie ein Spiegel der Liebe Gottes. Mit unserem Verhalten bilden wir den barmherzigen Hohepriester Jesus ab.

III.

Jesus ist Menschen begegnet, die in den Augen der anderen nicht liebenswert waren: Zöllnern, Sündern, Kranken, Armen. Er ist für alle dagewesen und hält für alle das Heil bereit. Er hat sich zugewendet und ihnen Würde geschenkt. So, dass sie alle – und wir natürlich auch – merken: Wir sind Gott lieb, er ist uns nahe. Wir sind alle aufgehoben in Gottes großen Liebeskreis.

Dadurch sind wir alle schon im Himmel verankert und bilden durch unsere Liebe zu anderen schon ein Stück Himmel ab.

Gastfrei zu sein vergesst nicht – das ist die erste Ermahnung! Wir würden heute sagen: „Seid gastfreundlich!“ In den frühen christlichen Gemeinden galt die Gastfreundschaft v.a. den herumreisenden Missionaren.

Heute sind es eher die großen Fluchtbewegungen, die unsere Gastfreundschaft fordern und manchmal auch herausfordern. Es ist anstrengend, sich mit Menschen zu unterhalten, die kaum Deutsch sprechen. Es ist verunsichernd, sich mit jemandem an einen Tisch zu setzen, den man nicht kennt. Es ärgert uns vielleicht, wenn jemand Fremdes unsere Verhaltensregeln nicht beachtet. Manchmal fällt es schwer, verständnisvoll und geduldig zu sein.

Der Hebräerbrief nennt noch eine besondere Motivation für die Gastfreundschaft: durch sie haben einige schon ohne ihr Wissen Engel beherbergt!

Als 1989 nach der Öffnung der innerdeutschen Grenze tausende Trabis auf den westdeutschen Autobahnen im Stau standen, gab es in vielen Kirchengemeinden wunderbare Hilfsaktionen. Gemeindeglieder stellten Privatunterkünfte bereit: Zunächst saß man sich als Fremde im Wohnzimmer gegenüber. Und dann kam es zu wunderbaren und berührenden Begegnungen. Ganze Lebensgeschichten wurden erzählt und man hat viel voneinander erfahren und gelernt. Fremde fühlten sich willkommen, und Gastgeber fühlten sich wertgeschätzt.

Gegeneinladungen wurden ausgesprochen und auf einmal reisten die Wessis in bis dahin unbekannte Gegenden, entdeckten verwunschene Landschaften. Es entstanden Freundschaften.

IV.

Denkt an die Gefangenen, als wärt ihr Mitgefangene, und an die Misshandelten, weil auch ihr noch im Leibe lebt – das ist die zweite Ermahnung im Hebräerbrief. Gedacht war hier an die Glaubensgeschwister, die in der antiken Umgebung Beschimpfungen, Unterdrückung, Schläge, Enteignung und auch Haft erleiden mussten.

Weil jemand Christ ist, wird bei uns heute in Deutschland niemand bestraft. Damals aber waren manche Christen gefährdet oder zumindest verachtet – so wie heute in unzählig vielen Ländern dieser Welt. Verachtet sind heute auch die Gefangenen in unseren Haftanstalten. Ihnen Liebe entgegenzubringen, ist schwierig.

Papst Franziskus hat dies gemacht:
1000 Strafgefangene hatte Papst Franziskus nach Rom eingeladen. Und eine Woche später sogar 4500 Obdachlose.

Er stellte sich vor sie und sagte: „Ihr seid nicht der Rand, sondern die Mitte der Kirche. Durch Euch müssen wir den Weg der Liebe lernen.“ Und weiter sagte er: „Wir alle sind unterwegs auf der staubigen Straße des Lebens. Wir alle machen uns auf dieser Straße die Füße schmutzig.“ 

Wie sehr sprach Franziskus den Gefangenen aus der Seele! Einigen wusch er dann noch die Füße, als Zeichen, dass der Staub ihres Lebens keine Bedeutung für Gott mehr hat. – Hier wurde etwas heil, was eigentlich so kaputt war: Manchen Gefangenen rannen die Tränen herab.

Freilich, mit Sträflingen haben die wenigsten von uns zu tun, vielleicht eher mit Menschen, die man als „Gefangene im Geist“ bezeichnen könnte: Es gibt auch Menschen, die in ihren Überzeugungen gefangen sind und uns deshalb fremd bleiben! Sie zu lieben erscheint uns dann unmöglich.

Der Kabarettist Maxi Schafroth hat diese Aufgabe mit Humor und Leichtigkeit gemeistert.

Beim Politikerderbleck’n am Nockherberg 2019 bekamen – wie jedes Jahr – alle Politiker ihr Fett weg, auf humoristische Weise.

Nach seiner „Bußpredigt“ wandte sich Maxi Schafroth noch einmal an eine besondere Menschengruppe; an diejenigen, die mit Ausländerhass Politik machen wollen. Mit einem gewinnenden Lächeln und offenen Armen sagte er zu diesen: „… ich wünsche mir, dass Ihr mit Liebe überhäuft werdet, dass dadurch Licht in Eure Herzen kommt.“

Der Kabarettist machte kein Hehl daraus, dass er mit dem Fremdenhass der von ihm angesprochenen Menschen nicht einverstanden ist. Und gerade diesen Menschen hat er sich besonders liebenswürdig zugewandt! Und herzlich lächelnd appellierte er dann an alle: „Bleibt beim Miteinander! Vergesst die Empathie nicht! Vergesst die kleinen Leute nicht!“

Noch einmal: Gibt es für uns einen Grund, die zu lieben, die uns eigentlich nicht nahestehen und vielleicht sogar fremd bleiben? – Ja, wir sollen sie so lieben, wie Christus uns geliebt hat! Denn daran werden wir erkannt – als Kinder Gottes!

Wir geben weiter, was wir empfangen haben: die Liebe des barmherzigen Christus.
Amen.


Predigtlied: KAA 075,1-3 Wo Menschen sich


Fürbittengebet

Gott, um deine guten Gaben bitten wir dich
für uns und alle Menschen.

Um die Gabe der Liebe
bitten wir für die Einsamen,
die keinen Menschen haben,
mit dem sie Kummer und Freude teilen.

Um die Gabe der Dankbarkeit bitten wir für die,
die nehmen und nehmen
und alles Gute in ihrem Leben als selbstverständlich betrachten.

Um die Gabe der Weisheit und des Verstandes
bitten wir für alle, 
die für Staaten, Städte und Dörfer,
für Kirchen, Firmen oder Armeen
wichtige Entscheidungen treffen müssen.

Um die Gabe des Brotes
bitten wir für alle, die Mangel leiden,
denen das Nötigste zum Leben und zum Überleben fehlt.

Um die Gabe der Güte
bitten wir für alle,
die anderen nicht verzeihen,
nicht die Hand reichen.

Um die Gabe des Trostes
bitten wir für alle,
denen das Leben dunkel und schwer geworden ist.
Alle guten Gaben kommen von dir, Gott.
Darauf vertrauen wir – heute und alle Tage.
Amen.


Vaterunser


Bitte um Segen

Der Herr segne uns und behüte uns.
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.
Der Herr erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns + Frieden.




Von Sabine Meister und Gottfried Greiner bearbeitete und aktualisierte Lesepredigt von Pfarrerin Ulrike Bracks, Eiskellerweg 32, 91560 Heilsbronn
Ulrike.Bracks@Studienbegleitung-ELKB.de

Lesegottesdienst für den 6. Sonntag nach Trinitatis
(19. Juli 2020)


 

Wochenspruch
So spricht der HERR, der dich geschaffen hat, Jakob, und dich gemacht hat, Israel:
Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst;
ich habe dich bei deinem Namen gerufen;
du bist mein!

Jesaja 43,1


  

Der Gottesdienst


  

Eingangslied EG 243, 1-5 Lobt Gott getrost mit Singen


  

Eingangswort:

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes
Der Herr sei mit uns.

Der 6. Sonntag nach Trinitatis erinnert uns an unsere Taufe. Durch die Taufe und den Glauben an Jesus Christus sind wir berufen, zu Gottes geliebtem Volk zu gehören. Jeder von uns ist unendlich wertvoll und kostbar.


  

Gebet

Gott,
Vater, Sohn und Heiliger Geist,
du bist bei uns.
Umgib uns mit deiner Gegenwart,
durchdringe uns mit deiner Liebe
und erfülle uns mit deiner Kraft,
dass wir leben und wirken können
aus deiner Fülle;
der du dreieinig lebst und regierst von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Amen.

 
 

Lesung aus dem Alten Testament: Jesaja 43, 1-7 Gott erlöst sein Volk

Und nun spricht der HERR, der dich geschaffen hat, Jakob, und dich gemacht hat, Israel: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein! Wenn du durch Wasser gehst, will ich bei dir sein, und wenn du durch Ströme gehst, sollen sie dich nicht ersäufen. Wenn du ins Feuer gehst, wirst du nicht brennen, und die Flamme wird dich nicht versengen. Denn ich bin der HERR, dein Gott, der Heilige Israels, dein Heiland. Ich gebe Ägypten für dich als Lösegeld, Kusch und Seba an deiner statt. Weil du teuer bist in meinen Augen und herrlich und weil ich dich liebhabe, gebe ich Menschen an deiner statt und Völker für dein Leben. So fürchte dich nun nicht, denn ich bin bei dir. Ich will vom Osten deine Kinder bringen und dich vom Westen her sammeln, ich will sagen zum Norden: Gib her!, und zum Süden: Halte nicht zurück! Bring her meine Söhne von ferne und meine Töchter vom Ende der Erde, alle, die mit meinem Namen genannt sind, die ich zu meiner Ehre geschaffen und zubereitet und gemacht habe.

  
 

Epistel: Römer 6, 3-11 Taufe und neues Leben

Oder wisst ihr nicht, dass alle, die wir auf Christus Jesus getauft sind, die sind in seinen Tod getauft? So sind wir ja mit ihm begraben durch die Taufe in den Tod, auf dass, wie Christus auferweckt ist von den Toten durch die Herrlichkeit des Vaters, so auch wir in einem neuen Leben wandeln. Denn wenn wir mit ihm zusammengewachsen sind, ihm gleich geworden in seinem Tod, so werden wir ihm auch in der Auferstehung gleich sein. Wir wissen ja, dass unser alter Mensch mit ihm gekreuzigt ist, damit der Leib der Sünde vernichtet werde, sodass wir hinfort der Sünde nicht dienen. Denn wer gestorben ist, der ist frei geworden von der Sünde. Sind wir aber mit Christus gestorben, so glauben wir, dass wir auch mit ihm leben werden, und wissen, dass Christus, von den Toten erweckt, hinfort nicht stirbt; der Tod wird hinfort nicht über ihn herrschen. Denn was er gestorben ist, das ist er der Sünde gestorben ein für alle Mal; was er aber lebt, das lebt er Gott. So auch ihr: Haltet euch für Menschen, die der Sünde gestorben sind und für Gott leben in Christus Jesus.

 
 

Evangelium: Matthäus 28,16-20 Der Missionsbefehl

Aber die elf Jünger gingen nach Galiläa auf den Berg, wohin Jesus sie beschieden hatte. Und als sie ihn sahen, fielen sie vor ihm nieder; einige aber zweifelten. Und Jesus trat herzu, redete mit ihnen und sprach: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin und lehret alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.

 
 

Evtl. Apostolisches Glaubensbekenntnis (EG Seite 1150)

Wochenlied EG 200, 1-5 Ich bin getauft auf deinen Namen

 
 

Predigtwort – 5.Mose 7,6-12

Denn du bist ein heiliges Volk dem HERRN, deinem Gott. Dich hat der HERR, dein Gott, erwählt zum Volk des Eigentums aus allen Völkern, die auf Erden sind. Nicht hat euch der HERR angenommen und euch erwählt, weil ihr größer wäret als alle Völker – denn du bist das kleinste unter allen Völkern –, sondern weil er euch geliebt hat und damit er seinen Eid hielte, den er euren Vätern geschworen hat. Darum hat der HERR euch herausgeführt mit mächtiger Hand und hat dich erlöst von der Knechtschaft, aus der Hand des Pharao, des Königs von Ägypten. So sollst du nun wissen, dass der HERR, dein Gott, allein Gott ist, der treue Gott, der den Bund und die Barmherzigkeit bis ins tausendste Glied hält denen, die ihn lieben und seine Gebote halten, und vergilt ins Angesicht denen, die ihn hassen, und bringt sie um und säumt nicht, zu vergelten ins Angesicht denen, die ihn hassen. So halte nun die Gebote und Gesetze und Rechte, die ich dir heute gebiete, dass du danach tust .Und wenn ihr diese Rechte hört und sie haltet und danach tut, so wird der HERR, dein Gott, auch halten den Bund und die Barmherzigkeit, wie er deinen Vätern geschworen hat.

 
 

Predigt

I.

So klein das Näschen, die Fingerchen. Die Augen geschlossen, der Mund bewegt sich ein wenig, wie suchend. Ein Baby. Winzig, hilflos, auf Schutz angewiesen. Ein ganz Kleines, vermutlich nur wenige Tage alt. „Herzlichen Glückwunsch!“ Die jungen Eltern strahlen.

Da kann man gar nicht anders als staunen. Und lächeln. Und liebhaben. Gott geht es auch so. Gott hat eine Schwäche für das Schwache, das Kleine.

Das Predigtwort steht im 5. Buch Mose, Kapitel 7:

Denn du bist ein heiliges Volk dem HERRN, deinem Gott. Dich hat der HERR, dein Gott, erwählt zum Volk des Eigentums aus allen Völkern, die auf Erden sind. Nicht hat euch der HERR angenommen und euch erwählt, weil ihr größer wäret als alle Völker – denn du bist das kleinste unter allen Völkern –, sondern weil er euch geliebt hat und damit er seinen Eid hielte, den er euren Vätern geschworen hat. Darum hat der HERR euch herausgeführt mit mächtiger Hand und hat dich erlöst von der Knechtschaft, aus der Hand des Pharao, des Königs von Ägypten. So sollst du nun wissen, dass der HERR, dein Gott, allein Gott ist, der treue Gott, der den Bund und die Barmherzigkeit bis ins tausendste Glied hält denen, die ihn lieben und seine Gebote halten, und vergilt ins Angesicht denen, die ihn hassen, und bringt sie um und säumt nicht, zu vergelten ins Angesicht denen, die ihn hassen. So halte nun die Gebote und Gesetze und Rechte, die ich dir heute gebiete, dass du danach tust. Und wenn ihr diese Rechte hört und sie haltet und danach tut, so wird der HERR, dein Gott, auch halten den Bund und die Barmherzigkeit, wie er deinen Vätern geschworen hat.

Gott hat eine Schwäche für das Schwache. Israel, dieses kleinste der Völker hat es ihm angetan. Er hat es ausgewählt und macht es zu etwas Besonderem. Zu etwas Heiligem, Auserwähltem.

Gottes Leidenschaft, die Schwäche für das Schwache, durchzieht die ganze Bibel: David, der Kleinste seiner Familie, wird zum größten König Israels auserwählt. Witwen und Waisen, Fremdlinge, Überschuldete und entrechtete Menschen werden von den Propheten verteidigt und groß gemacht. Jesus, selbst in kleinsten Verhältnissen aufgewachsen, stellt als Erwachsener Kinder in den Mittelpunkt und alle, die in irgendeiner Weise klein sind: Die nicht der Norm entsprechen, die krank sind oder belastet, die klein gemacht werden, die anders sind.

In der Bibel kann man viele solcher Geschichten lesen: Die Erzählung, wie Jesus Kinder segnet, wie er den blinden Bartimäus heilt, wie er die Ehebrecherin beschützt und viele andere. Immer und immer wieder macht sich Jesus stark für die Kleinen. Sie sind ihm heilig, besonders wichtig, hervorgehoben und erwählt. Für sie engagiert er sich. Befreit sie von Lasten und Zwängen wie Gott sein Volk aus der Knechtschaft in Ägypten befreit hat.

II.

Gott hat eine Schwäche für die Schwachen, die Kleinen. Diese Eigenschaft Gottes wird besonders deutlich, wenn kleine Kinder getauft werden. Noch ganz auf Erwachsene angewiesen, noch nicht entscheidungsfähig, entscheidet sich Gott für sie und macht sie heilig.

Im 1. Petrusbrief heißt es:

Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, ein königliches Priestertum, ein heiliges Volk.[1]

Die Taufe ist die Aufnahme in die Gemeinschaft der Heiligen. Heiligkeit traut Gott allen zu, die getauft sind. Welch ein Vertrauensvorschuss!

Gott erwählt, Gott heiligt. Heilig sind wir durch die Taufe, nicht aufgrund einer besonderen Leistung oder Frömmigkeit, nicht wegen einem unerschütterlichen Glauben. Heilig, weil Gott das Kleine, Schwache, liebt und mit ihm eine ganz besondere Beziehung eingeht. Gott setzt sich für sie ein, schützt und verteidigt sie.

So gewürdigt und geliebt, behütet, können die Kleinen groß werden. Sie können ihre Fähigkeiten entfalten und zur Geltung bringen, können erfolgreich sein und Größe zeigen. Eine Größe, die nicht auf Kosten der Schwachen groß ist, sondern aus der Beziehung mit Gott wächst. Heilig, von Gott auserwählt und groß gemacht, sind diejenigen, die sich in ihrer Ohnmacht und in ihrer Kraft mit Gott verbunden wissen. Heilig sind, die in Beziehung mit Gott stehen, die in Gottes Nähe bleiben, die Gott ihr Herz hinhalten so nah wie das Baby im Tragetuch am Mutterherz, am Vaterherz.

III.

Das Predigtwort formuliert:

Halte nun die Gebote und Gesetze und Rechte, die ich dir heute gebiete, dass du danach tust. Das ist die Größe, die Gott seinen Erwählten, Heiligen, zutraut. Zu dieser Größe ermutigt Gott sein Volk und alle, die ihm heilig sind: Die kleinen und größeren Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen, die sich taufen lassen, die Konfirmandinnen und Konfirmanden, alle, die getauft sind.

Halte die Gebote und Gesetze und Rechte und lebe danach! Also die 10 Gebote auswendig lernen, in der richtigen Reihenfolge aufsagen können und so gut wie möglich danach leben, dazu eine tägliche gute Tat? Nicht das kennzeichnet Heiligkeit. Die Größe der Heiligkeit, die von Gott herkommt, liegt im Kleinen, Verborgenen, im Herzen: Gottes Gebote auswendig kennen, wie es das englische Wort sagt: By heart.

Mit jedem Herzschlag danach fragen, was Gottes Gebot heute ist, in diesem Augenblick. Fragen und hinspüren, was zu Gottes Barmherzigkeit passt und versuchen, danach zu leben.

Die Gesetze Gottes auf eine Weise kennen, wie ein Baby versteht, das den Herzschlag der Mama spürt. Das macht die Ausstrahlung aus, die Gott denen zuspricht und zutraut, die zu seinem Volk gehören. Sie sind heilig in dem Sinn, wie Heilige einen Heiligenschein tragen als Hinweis auf eine besondere, wohltuende Ausstrahlung.

Die Taufe verändert: Heiligt und gibt Kraft und Mut zu einem Leben, wie Gott es will. Die Taufe ist einmalig und doch tägliche Bewährung. Deshalb gibt es im Lauf des Kirchenjahres Gelegenheiten zur Tauferinnerung. Sonntage wie heute.

Damit wir Gottes Gebote halten, uns an seinen Willen orientieren, an seiner Schwäche für die Schwachen.

IV.

Eine Welt, in der uns Gottes Schwäche für das Schwache heilig ist – wie sähe diese Welt aus?

In Zeiten von „Corona“ ist es zum Bekenntnis geworden, einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen: „Ich will die Schwachen, die Alten, die Gefährdeten schützen“. Ein anderes Bekenntnis lautet: „Mir ist der Nächste so wertvoll, so heilig, dass ich Einschränkungen in Kauf nehme und Abstand halte.“

Gottes Schwäche für das Schwache in den Blick zu nehmen, heißt dann: die Schwachen, die Kleinen, die Schutzlosen in den Blick zu nehmen und das Leben, mein Leben, das Leben unserer Gesellschaft daran auszurichten:

Dann stehen die Kinder und ihre Zukunft im Mittelpunkt. Ihretwegen werden Gesetze neu gedacht, werden Erwachsene, die für Kinder Verantwortung übernehmen, unterstützt, Schulen mit Freiraum konzipiert, in der nicht nur der Verstand, sondern auch Phantasie und Soziales Lernen möglich ist.

Dann wird die Pflege der Hochbetagten auch hochgeachtet und hochbezahlt werden. Dann wird barrierefreier Wohn- und Städtebau selbstverständlich sein.

Gottes Schwäche für das Schwache in den Blick zu nehmen, heißt alles Leben in den Blick zu nehmen und sich zu freuen über jeden Menschen, dem Gott Leben schenkt: Dann dürfen behinderte Kinder geboren werden und diese Welt bereichern. Psychisch oder körperlich kranke Menschen sind selbstverständlich dabei, müssen nicht mithalten, sondern dürfen ihr Tempo leben und ihre Möglichkeiten entfalten. Kinder, Frauen und Männer, die Schutz suchen, wird dieser gewährt, die Fremden finden Heimat.

In einer Welt, in der uns Gottes Schwäche für das Schwache heilig ist, ist Schöpfungsverantwortung jedem und jeder wichtig: den Kleinen zuliebe, den Kindern, die erst noch geboren werden und für alle, die in den Ländern und Regionen unserer Welt leben, die für unsere Lebensqualität mit bezahlen.

Wir sind ein Teil der Gemeinschaft der Heiligen. Gott erwählt die Kleinen – das wird uns Größe verleihen. Gott heiligt die Seinen. Da kann man nur staunen, danken und loben.
Amen.

 
 

Predigtlied: EG 210,1-5 Du hast mich, Herr, zu dir gerufen

 
 

Fürbittengebet

Herr, du hast verheißen, bei uns zu sein, alle Tage bis ans Ende der Welt.
Wir bitten dich:
für die Kinder, die in Armut und Krankheit leben;
und für die Kinder, die Opfer von Gewalt geworden sind.
Sei auch bei ihnen, wie du es verheißen hast.

Herr, erhöre uns!

Wir bitten für unsere Kirche und alle Getauften, die in ihr leben und glauben.
Lass sie erfahren, dass du sie beim Namen gerufen hast,
dass sie zu dir gehören und deine Kinder sind.

Herr, erhöre uns!

Wir bitten dich für die Menschen, die in unsere Gemeinden kommen und suchen und fragen.
Gib, dass sie Heimat finden im Glauben und in der Kirche;
gib ihnen Menschen, die mit ihnen reden und feiern, beten und hoffen;
lass sie Orte und Gelegenheiten finden, an denen sie ihren Glauben leben können.

Herr, erhöre uns!

Wir bitten dich für alle Mitarbeitenden in unseren Gemeinden.
Gib deinen Geist der Kraft für ihren Dienst, der Liebe für die Menschen, der Besonnenheit für alle Aufgaben.
Segne den Dienst der Christen in unseren Gemeinden.

Herr, erhöre uns!

Vater im Himmel, hilf uns leben aus der Taufe, als deine geliebten Kinder durch Jesus Christus, unseren Herrn.
Amen.


  

Vaterunser


  

Bitte um Segen

Der Herr segne uns und behüte uns.
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.
Der Herr erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns + Frieden.


  


  

 
 

Von Sabine Meister und Gottfried Greiner bearbeitete und aktualisierte Lesepredigt von Pfarrerin Dorothee Hermann
Hugo-Wolf-Straße 14, 80937 München
dorothee.hermann@elkb.de


  

[1] 1.Petrus 2,9

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